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Soziale Netzwerke im Katastropheneinsatz

Das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland ist vorbei. Es war für viele Regionen das größte jemals erlebte Hochwasser. Es war aber gleichzeitig auch die erste große Katastrophe bei der die sozialen Netzwerke zeigen konnten, was in ihnen steckt. Sie konnten zeigen, daß sie zu mehr gut sind als nur Shitstorms zu produzieren oder Catcontent zu verteilen.

Private Initiativen nutzen soziale Netzwerke stärker als Kommunen

Sucht man bei Facebook einfach mal nach „Hochwasser“ findet man unzählige Seiten die sich mit dem Hochwasser beschäftigen. Einige konzentrieren sich auf einen Ort oder Landkreis, andere auf ein Bundesland. Eines haben alle gemeinsam: sie entstanden aus privaten Initiativen. Und noch etwas haben sie gemeinsam: sie wurden rege genutzt.

Alleine die Seite „Hochwassernews Magdeburg“ konnte über 47.000 „Gefällt mir“ generieren. Gleichzeitig konnten darüber noch viel mehr Leute erreicht werden, wurden die dort veröffentlichten Beiträge doch auch geteilt und somit Personen zugänglich gemacht, die nicht bei der Seite Fan geworden waren.

Ähnlich erging es mir, betreue ich doch den Twitteraccount @magdeburg in privater Initiative.

Die Entwicklung der Followerzahlen soll dieses Diagramm verdeutlichen.

Twiter Follower @magdeburg beim Hochwasser 2013
Von 2.499 Followern am 31.05.2013 stieg die Zahl der Follower bis zum 12.06.2013 auf 3.280 Follower an. Das ist ein Anstieg um 31,25 %. Im Vergleich zu anderen Accounts, wie der des MDR (@mdr_san) hatte ich halt nicht die Möglichkeit via Radio und TV dafür zu werben. Dort fiel der Anstieg weitaus höher aus.

Schaut man sich die neuen Follower etwas genauer an, dann wird man schnell feststellen, daß diese sich nur aufgrund des Hochwassers bei Twitter registriert haben. Sie folgten 5-10 Accounts (Radio- und TV-Stationen, Zeitungen, öffentliche Institutionen), twitterten selbst gar nichts, hatten häufig auch kein Profilbild drinnen und nutzten Twitter nur um aktuell auf dem laufenden zu bleiben.

Die Schnelligkeit der sozialen Netzwerke ist ein entscheidender Vorteil

Twitter hat auch wieder einmal bewiesen, wie vorteilhaft der Dienst in Bezug auf Schnelligkeit ist. Am Freitag, dem 07.06.2013, nahm ich an zwei Pressekonferenzen des Oberbürgermeisters der Stadt Magdeburg teil und twitterte live von dort. Somit war der Twitteraccount @magdeburg das schnellste Medium und konnte die Infos bereits verbreiten während Radio, TV und Print noch mit der Verarbeitung der Informationen beschäftigt waren. Dieser Informationsvorsprung kann in solchen Situationen durchaus wichtig sein!

Kommunen haben Nachholbedarf in Krisenkommunikation via Social Media

Wichtig ist aber auch die Verifizierung von Informationen, bevor man sie verbreitet. Wer wie ich einen Account über längere Zeit betreibt, der weiß wer von seinen Followern eine ehrliche Haut ist und wer gerne mal über die Stränge schlägt. Da kann man den Wahrheitswert eines Tweets durchaus schnell erkennen.

Genau das ist es, was in den Kommunen aber noch fehlt: das regionale Netzwerk, der Userstamm auf den man sich verlassen kann und mit dem man in solchen Situationen zusammenarbeiten kann. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich habe während der gesamten Zeit nur eine Fehlinformation geretweetet und die kam auch noch vom Account des MDR.

Ansonsten ist es natürlich auch wichtig selbst vor Ort zu sein um im Bedarfsfall sich selbst dort informieren zu können, wie die Lage wirklich ist. Nicht alles kann man in solch einem Falle vom heimischen Sofa aus machen. Ich selbst war auch regelmäßig unterwegs, habe mich über Pegelstände informiert, wenn die Anzeige im Internet mal wieder ausfiel.

Die Landeshauptstadt Magdeburg hat sich während der Zeit des Hochwassers wirklich richtig ins Zeug gelegt mit ihrem Twitter- und Facebookaccount, doch auch hier wäre sicher noch viel mehr möglich gewesen, wäre man darauf vorbereitet gewesen. Dresden dagegen hat fast nur von privaten Initiativen profitiert, Twitter wird in der Stadtverwaltung gar nicht eingesetzt.

Soziale Netzwerke werden für die Krisenkommunikation immer wichtiger

Die Kommunen, Landkreise, Bundesländer mit ihren Krisenstäben, die Feuerwehren, DRK, THW usw. müssen sich in Zukunft stärker mit den sozialen Netzwerken und ihren Möglichkeiten auseinandersetzen. Twitter, Facebook und Co. müssen zukünftig genauso in die Planung der Krisenkommunikation eingebaut werden, wie es jetzt bereits die klassischen Medien sind. Damit sollte man aber nicht erst anfangen wenn der Krisenfall eingetreten ist, sondern bereits jetzt die entsprechenden persönlichen Netzwerke aufbauen. In jeder Stadt, in jedem Landkreis gibt es die Nutzer, die selbst bereits große persönliche Netzwerke pflegen und die im Krisenfall wichtig werden können um möglichst schnell auch sehr viele Menschen aus der jeweiligen Region zu erreichen. Diese Personen muß man ausfindig machen und sie in die Planung mit integrieren.

Es muß auch sichergestellt werden, daß die in den öffentlichen Stellen mit der Krisenkommunikation betreuten Personen, sich mit den sozialen Netzwerken wirklich auskennen, sich bei der deren Nutzung nicht doof vorkommen und daß diese Personen auch mit der entsprechenden Hardware und Software ausgestattet werden. Wenn ich von unterwegs aus twittere und Fotos machen will, dann brauche ich dafür ein Smartphone. Gleichzeitig kann aber ein normales Handy zusätzlich zum telefonieren und simsen nicht schaden, denn dann kann man gleichzeitig telefonieren und auch die sozialen Netzwerke verfolgen. Auch so etwas sollte halt eingeplant werden.

In den betroffenen Gebieten gab es sehr viele erfolgreiche private Initiativen im Netz. Die Kommunen sollten sich mit diesen Leuten an einen Tisch setzen, sollten gemeinsam erörtern wie man beim nächsten Katastrophenfall (der hoffentlich nie eintreten wird) dann noch besser und nicht nebeneinander sondern miteinander die Kommunikation meistern kann.

Die wenigsten privaten Initiatoren werden wohl den Kommunen bei einer entsprechenden Anfrage eine Absage erteilen. Ich persönlich stehe gerne allen, nicht nur hier in Magdeburg, beratend zur Seite. Erfahrungen durfte ich inzwischen aus zwei Hochwassereinsätzen sammeln, einmal mit und einmal ohne soziale Medien.

Wir haben mit den sozialen Medien viel mehr Chancen schnell und zuverlässig große Teile der Bevölkerung zu erreichen, wir sollten sie daher auch nutzen.

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