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Groupon und Co. – lohnt sich das für Unternehmen?

Groupshoppinganbieter wie Groupon und Dailydeal sind derzeit gerade groß in Mode. Derartige Anbieter schießen wie Pilze aus dem Boden, so hat erst vor kurzem der Rabattkartenanbieter PAYBACK ein solches Angebot gestartet. Bei der Durchsicht der aktuellen Angebote bin ich bei Groupon auf ein Angebot gestoßen, das mich stark zum Zweifeln brachte.

Anwalt bei Groupon

 

19,90 € für eine Stunde anwaltliche Beratung. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dazu muß man nun aber auch noch wissen, daß 50 % dieses Betrages als Vermittlungsgebühr bei Groupon bleiben und in den verbleibenden 9,95 € auch noch 19 % Mehrwertsteuer enthalten sind. Damit „verdient“ der Rechtsanwalt an so einer Beratung genau 8,36 €. Davon muß er dann noch Miete, Personal usw. bezahlen. In anderen Regionen verdient selbst eine Putzfrau mehr!

Da stellt sich die Frage: lohnt sich das denn tatsächlich?

In 99 % der Fälle wird es nicht lohnen. Nutzer solcher Dienste sind in erster Linie auf absolute Schnäppchen aus. Sie werden den Gutschein kaufen und genau das einlösen, was sie dafür bekommen. Nicht mehr und nicht weniger. Solche Nutzer springen von einem Anbieter zum nächsten, immer auf der Jagd nach nem günstigen Schnäppchen. Kundentreue kennen diese User nicht. Man sieht die Kunden erst dann wieder, wenn man wieder einen Gutschein im Angebot hat. Gerade auch in der Gastronomiebranche erlebt man so etwas immer wieder. Ich bezeichne das gerne als Groupon-Syndrom. Wenn das Geschäft nicht so gut läuft, wird über solche Angebote versucht Kunden zu gewinnen. Die kommen auch, verbrauchen aber nur den Gutschein und sind dann wieder weg. Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens hat sich dadurch nicht verbessert, eher verschlechtert.

In Bezug auf das hier vorgestellte Angebot eines Anwalts dürfte es ähnlich ablaufen. Warum soll jemand 120 € für eine einstündige Beratung bezahlen, wenn er die auch für 19,90 € bekommen kann? Wenn sich das Problem durch die Beratung gelöst hat, dann wird der Mandant auch keine weitere Beratung in Anspruch nehmen. Der Anwalt hat also letztlich Geld zugesetzt.

Ob die Mandanten danach weitere Beratungsdienstleistungen bei ihm buchen und wenn ja zu welchem kurs ist nicht abzusehen, aber andere Branchen haben bereits eindeutig festgestellt, daß es schwer ist darüber neue Stammkunden zu gewinnen.

Fazit: außer Spesen nichts gewesen. Von daher sollte man ganz genau überlegen, was man durch solche Aktionen erreichen möchte. Stammkunden gewinnt man damit eher selten, die Karawane zieht eher weiter zum nächsten Schnäppchen. Alleine nur auf Groupshopping zur Kundengewinnung zu setzen, kann daher tödlich für das Unternehmen enden.

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4 Kommentare

  1. Moin Torsten,

    bezüglich des Anwaltsangebotes oder auch bei nahezu allen normalen Dienstleistungen wirst Du wohl richtig liegen, ist auch mein Eindruck – und mein eigenes Nutzerverhalten.

    Lediglich bei Restaurants denke ich, dass das nur teilweise zutrifft. Warum? Auch hier die Eigenbeobachtung: Über das damalige Gutscheinbuch bin ich zu zwei Restaurants gekommen, die ich nie im Leben besucht hätte – und trotzdem bin ich in beiden zwischen 2-10 mal per Anno. Jedes Jahr. Seit rund 5 Jahren. Warum? Weil die faire Preise haben, guten Service – und leckeres Essen. Wäre ich aber ohne Gutschein nie darauf aufmerksam geworden. Und wenn ich „nur mal eben so lecker Essen gehen“ will, dann gehe ich auch ohne Gutschein aus dem Haus.

    Just my 2 cents

    Hubert

  2. Ein Merchant, der einen Groupon- Deal mitmacht, versaut in meinen Augen seine Reputation dauerhaft („der muß es ja nötig haben, seine Ware so zu verschleudern“).

    Diesen Reputationsverlust kann er schwer wieder kompensieren.

    Auch ein guter Anwalt hat seinen (fairen) Stundensatz.

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