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Fotografierverbote – weg damit!

Als Reiseblogger erlebt man immer mal wieder Dinge in Deutschland, die einen nur den Kopf schütteln lassen. Sehr beliebt dabei sind Fotografierverbote, die gerne in Museen jeglicher Art ausgesprochen werden und wo man dann auch mal gleich vorab mit rechtlichen Schritten droht.

Fotografieren nicht gestattet!

Fotografieren nicht gestattet!

Begründet werden solche Fotografierverbote entweder gar nicht oder mit urheberrechtlichen Gründen. Dabei greift in vielen Fällen gar kein Urheberrecht, denn die Urheber der ausgestellten Kunstwerke sind häufig schon ein paar hundert Jahre tot und 70 Jahre nach ihrem Tod erlischt in der Regel ein Urheberrecht. Und in so Objekten wie den oben verlinkten Rübeländer Tropfsteinhöhlen ist das noch weniger nachvollziehbar, denn die Tropfsteine hat einzig die Natur geschaffen und da hat nun wirklich niemand ein Urheberrecht dran.

Was gerade viele Museen dabei vergessen, sie schneiden sich mit solchen Dingen marketingtechnisch ins eigene Fleisch. Ja, man kann die Verwendung von Stativen und Blitzlicht verbieten und da hat auch jeder Verständnis für, da z.B. letzteres durchaus auch manchen Kunstwerken auf die Dauer Schaden zufügen kann. Aber ein ohne Stativ und Blitzlicht gemachtes Foto kann dies definitiv nicht.

Viele Museen denken aber noch in alten Denkmustern. Da will man in erster Linie seine Postkarten, Kataloge usw. verkaufen. Vergessen wird dabei, daß sich die Zeit längst weiterentwickelt hat. Viele Touristen machen die Fotos nicht nur für sich, sondern teilen sie mit ihrem Umfeld über die sozialen Netzwerke. Damit erreichen diese Menschen viel mehr Leute als früher wenn man sich mit dem Nachbarn zum Diaabend traf.

Über Netzwerke wie Instagram, Flickr, Facebook, Google+ oder Twitter erreichen die Leute, die früher nur ihre paar Nachbarn und Verwandten dank Ansichtskarten oder Diaabende erreichten, nun plötzlich ein vielfaches an Menschen quer über den Erdball verteilt und machen mit ihren Fotos auf diese Weise kostenloses Marketing für die Museen. Aber: das müssen viele Museen hier in Deutschland erst noch begreifen. Und ja, ich sehe da speziell in Deutschland dieses Problem, denn komischerweise gibt es z.B. in Polen keinerlei Probleme damit Fotos in Museen machen zu dürfen. Einzig ein Verbot von Blitzlicht und Stativen gibt es häufig, was aber wie oben beschrieben okay ist. Vielleicht liegt es auch daran, daß es manchem Museum in Deutschland an Besuchern mangelt. Wer sich einigelt und meint die Kontrolle darüber behalten zu wollen wer was und wann und wo und wie fotografiert und veröffentlicht, der darf sich nicht wundern wenn andere, die diese Kontrolle freiwillig aus der Hand geben, davon positiv profitieren.

Im übrigen gibt es auch genug Museen in Deutschland, die dem Thema fotografieren positiv gegenüber stehen. In den Saalfelder Feengrotten hat man damit gar kein Problem. Vielleicht sollten die Kollegen aus dem Harz und viele andere sich da mal beraten lassen…

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2 Kommentare

  1. Ohja, da sachste wat. Ein positives deutsches Beispiel ist das Ägyptische Museum in Berlin. Vom Tageslicht durchflutete Räume, da braucht es gar keinen Blitz mehr.

    Ein dortiger Mitarbeiter hat mir übrigens erklärt, daß das mit dem Blitzen (zumindest in diesem Fall) gar nicht so sehr was mit den Exponaten zu tun hat, sondern – mit den Mitarbeitern, die das Geblitze den ganzen Tag nicht abkriegen sollen. Auch verständlich, wird aber eher selten so kommuniziert. Ihre Postkarten und Kataloge verkaufen dort übrigens sie trotzdem, dazu auch noch (meist verkleinerte) Kopien einiger Ausstellungsstücke.

    Darüber, daß Stative böse im Weg stehen können, wenn plötzlich eine Fluchtsituation entsteht, brauchen wir ja nicht zu reden, das gilt auch an anderen Orten (Bahnhöfe zum Beispiel).

    Was Du nicht erwähnt hast, sind christliche Kirchen und Dome, vor allem „altehrwürdige“, deren, ähm, Betreiber oft noch der Idee anhängen, es schade ihrem Postkartenverkauf, wenn da einfach jeder seine eigenen Fotos anfertigen würde. Das habe ich schon mehrfach erlebt, zum Glück geht auch da diese Ansicht wohl langsam zurück.

    Gruß, Frosch

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